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man and woman holding hands

Chronische Erkrankungen und Partnerschaft

Chronische Erkrankungen und Partnerschaft, Sexualberatung — Online und vor Ort.

Eine chronische Erkrankung stellt oft das gesamte Beziehungsleben auf den Kopf. Manchmal führt der Weg vom aktiven Paar zur Pflegesituation – von heute auf morgen.

Fragen und Antworten

Was macht eine chronische Erkrankung mit (Paar-) Beziehungen?

Je nach Art der chronischen Erkrankungen kann die Unvorhersehbarkeit der Symptome jede Planung zur Herausforderung machen. So etwas das chronische Fatigue-Syndrom: Heute geht es besser, morgen ist jede Bewegung zu viel. Verabredungen werden abgesagt, gemeinsame Aktivitäten sind kaum noch möglich. Bei der nicht-erkrankten Person entsteht Frustration: „Nie klappt etwas!“ oder: „Immer muss ich alles alleine stemmen“. Die erkrankte Person erlebt Schuldgefühle: „Ich versage, ich bin eine Belastung“.
Ein problematisches Machtgefälle kann entstehen: Abhängigkeit auf der einen, erhöhte Verantwortung und Arbeitsbelastung auf der anderen Seite. Scham trifft auf Erschöpfung – beide leiden auf unterschiedliche Weise.
Auch Zukunftspläne müssen neu verhandelt werden. Kinderwunsch, Karriere, Reiseträume – vieles steht infrage. Diese Trauer um verlorene Möglichkeiten braucht Raum.

Wann ist Paarberatung sinnvoll?

Wenn eure Kommunikation leidet, Vorwürfe und Schuldgefühle zunehmen, ihr euch als Paar verliert und aus dem reinen Funktionsmodus nicht mehr herausfindet kann eine Paarberatung für euch hilfreich sein.
Wichtig ist, dass die Paarberatung auf die Erkrankung und eure Bedürfnisse eingestellt ist:

  • Termine finden online statt, wenn nötig
  • Die kranke Person kann liegen während des Gesprächs
  • Die Dauer ist flexibel – je nachdem, wie es gerade geht
  • Kurzfristig absagen ist okay
  • Einzeltermine sind möglich, damit beide Partner*innen Raum haben
  • Der*die Therapeut*in achtet mit auf Pacing – niemand wird überfordert

In der Beratung geht es darum, mit Unsicherheit umzugehen, Rollen neu zu definieren, Kommunikationswege zu finden und als Team wieder handlungsfähig zu werden.

Gibt es bei einer chronischen Erkrankung auch eine positive Perspektive für unsere Beziehung?

Ja. Viele Paare berichten, dass sie durch die Krise gewachsen sind. Sie haben gelernt, was wirklich zählt und wie man auf neue Weise füreinander da sein kann. Liebe bedeutet nicht, alles gemeinsam zu tun, sondern sich zu halten, wenn das Leben hart wird. Eure Beziehung kann das überstehen – wenn ihr ehrlich seid, euch gegenseitig Raum gebt und bereit seid, Hilfe anzunehmen. Die Krankheit verändert vieles, aber sie muss nicht das Ende eurer Beziehung sein. Viele Paare leben damit und wachsen sogar daran.
Sie entdecken, wie sie auf neue Weise füreinander da sein können. Ihnen wird bewusst, dass Liebe nicht nur darin besteht, alles miteinander zu teilen, sondern sich gegenseitig Halt zu geben, auch wenn nichts mehr so ist wie zuvor.

Expert*innen Interviews

Andreas Zimmermann

Andreas Zimmermann

„Was wäre, wenn Ihre Beziehung leichter werden könnte? Ich begleite Sie ressourcenorientiert, sensibel für Ihre Bedürfnisse und mit Humor."

Wie beeinflusst Long-Covid meine Paarbeziehung?

Long-Covid führt häufig zu einer Neuverteilung der Verantwortlichkeiten in der Partnerschaft. Die erkrankte Person verliert oft ihre bisherigen Rollen, während die gesunde Person plötzlich fast alles übernimmt – Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Haushalt und möglicherweise noch die Pflege. Diese Situation kann zu einem Machtungleichgewicht führen, das die Beziehungsdynamik erheblich belastet. Beide Partner*innen leiden auf unterschiedliche Weise: Die erkrankte Person kämpft häufig mit Scham und dem Eindruck, zur Last zu fallen, während die gesunde Person häufig erschöpft, überfordert und am Limit ist. Long-Covid, oft verbunden mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), ist eine organische Erkrankung, die durch virale Infektionen ausgelöst wird (mehr zu ME/CFS siehe www.mecfs.de). Besonders belastend ist die Post-Exertionelle Malaise – eine deutliche Verschlechterung aller Symptome nach bereits geringsten Anstrengungen, die oft erst Stunden oder Tage später eintritt. Dies macht den Alltag unberechenbar: Ein kurzes Gespräch oder Duschen können einen mehrtägigen Einbruch auslösen. Gemeinsame Pläne müssen ständig abgesagt werden, kognitive Einschränkungen erschweren tiefere Gespräche, und Zukunftspläne müssen neu gedacht oder aufgegeben werden. Trotz dieser Herausforderungen schaffen es viele Paare, gemeinsam durch diese schwere Zeit zu gehen und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Entscheidend sind offene Kommunikation über Gefühle und Grenzen, gegenseitiges Verständnis für die jeweilige Belastung, das bewusste Einteilen von Energie durch Pacing sowie externe Unterstützung durch Verwandte, Freund*innen, Selbsthilfegruppen oder Beratung und Therapie. Long-Covid verändert das Leben grundlegend, aber die Beziehung kann eine Ressource sein, wenn beide Partner*innen bereit sind, neue Wege zu gehen.

Warum ist Psychologisierung der Erkrankung ein Problem?

Viele Betroffene erleben, dass ihre Erkrankung als „psychisch" abgetan wird. Das ist oft fachlich falsch und gefährlich. Long-Covid ist eine organische Erkrankung mit neurologischen und immunologischen Ursachen. Falsche Behandlungsansätze – etwa aktivierende Therapien – können zu dauerhaften Verschlechterungen führen.
Natürlich entstehen durch die Erkrankung auch psychische Belastungen wie Angst und Depression. Diese sind aber Folge, nicht Ursache. Als Paar ist es wichtig, gemeinsam Ärzt*innen zu finden, die Long-Covid verstehen und einander zu bestärken, wenn andere die Krankheit bagatellisieren.

Wo finde ich weitere Informationen zum Thema Long-Covid und ME/CFS?

Infos & Selbsthilfe:
https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/
https://www.fatigatio.de/
https://longcoviddeutschland.org/
https://www.bmg-longcovid.de/
https://www.long-covid-plattform.de/long-covid
Podcasts & Radiosendungen:
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/1live/f__k-forward/audio-wie-sich-long-covid-auf-
beziehungen-auswirkt-100.html
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/alles-anders-was-long-covid-mit-unseren-
beziehungen-macht
https://www.ardaudiothek.de/sendung/fighting-long-covid-visa-vie-und-ihr-kampf-gegen-
die-corona-folgen/urn:ard:show:0e75e344f3404374/
https://www.hr2.de/podcasts/der-tag/long-covid-der-kampf-um-anerkennung,podcast-
episode-146738.html

Unsere Berater:innen für Chronische Erkrankungen und Partnerschaft

Diese Berater:innen mit besser:lieben-Matching arbeiten zum Thema.

  • Rebecca Decker-Klein

    Rebecca Decker-Klein

  • TD

    Tests Demo

  • SE

    Silvia Erhard

  • Katharina Frönd

    Katharina Frönd

  • Stefanie Grohmann

    Stefanie Grohmann

  • Sandra Kaiser

    Sandra Kaiser

  • Judith Lurweg

    Judith Lurweg

  • Diana Schaper

    Diana Schaper

  • Tina Schmidt

    Tina Schmidt

  • Kai Strecker

    Kai Strecker

  • Tamara Tarnow

    Tamara Tarnow

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