Silvia Erhard
„Meine Lieblingsworte sind Wohlwollen, Weiterentwicklung, Fehlerfreundlichkeit, Lebendigkeit, Freude und Genuss."
Traumaberatung, Paartherapie, Familienberatung — bei Gewalt online und vor Ort.
Gewaltberatung hat als oberstes Ziel, Gewalt zu beenden. Erst wenn diese Sicherheit erreicht wurde, macht es Sinn, über dahinterliegende Motive zu sprechen. Zu Gewalt beraten ausgebildete Trauma- und Gewaltberater*innen.
Wenn du von Gewalt betroffen bist, kannst du dich kostenlos an entsprechende Beratungs- und Interventionsstellen wenden, deren Kontakte du auch im Internet findest. In akuten Gefahrensituationen wende dich an die Polizei oder ans nächste Frauenhaus. Rund um die Uhr kannst du dich an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116 016 wenden. Auch in unserem Team sind Berater*innen, die sich mit dem Thema Gewalt auskennen.
Wenn du selbst Sorge hast oder aufhören willst, Gewalt auszuüben, kann ein/e ausgebildet/e Gewaltberater*in dich darin unterstützen, dich selbst besser zu regulieren und für deine Grenzen und Bedürfnisse zu sorgen, ohne andere emotional oder physisch zu verletzen. Dabei können auch eigene Erfahrungen von erlebter Gewalt eine Rolle spielen. Als erstes geht es aber auch hier darum, was es braucht, um die Gewalt zu beenden.
Man kann Gewalt in physische Gewalt, psychische Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt im sozialen Nahraum, häusliche Gewalt und Gewalt im digitalen Raum unterteilen. Diese Aufzählung benennt die wichtigsten Arten, ist aber nicht abschließend (dazu gibt es auch unterschiedliche Begriffe, wie sexualisierte und sexuelle Gewalt oder die Unterscheidung von emotionaler und psychischer Gewalt). Die genannten Begriffe beleuchten unterschiedliche Perspektiven auf Gewalt.
Die Begriffe physische und psychische Gewalt unterscheiden, worauf sich die Gewaltausübung richtet, also gegen den Körper (hinterlässt häufig Spuren am Körper und ist somit manchmal sichtbarer bzw. leichter erkennbar) oder gegen die Psyche (oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, da weniger sichtbar).
Sexualisierte Gewalt bezieht sich auf Handlungen, die sich gegen die sexuelle Selbstbestimmung richten.
Gewalt im sozialen Nahraum bezeichnet Gewalttaten, bei denen die gewaltausübende und die gewaltbetroffene Person in einem nahen Verhältnis (Verwandtschaft, Freundschaft, Bekanntschaft) stehen. Hier wird hauptsächlich die Beziehung, in der die Personen stehen in den Blick genommen. Davon zu unterscheiden ist Gewalt, die eine Person zufällig erfährt. Dabei macht es für gewaltbetroffene Menschen oft einen großen Unterschied, ob die Gewalt von einer bekannten oder nahestehenden Person ausgeübt wurde oder ob die gewaltausübende Person oder Personen vorher unbekannt waren. Dabei kann es zu physischer, psychischer oder auch sexualisierter Gewalt kommen.
Häusliche Gewalt ist ein ernstes gesellschaftliches Problem, das in vielen verschiedenen Formen auftreten kann. Zu den Arten von häuslicher Gewalt gehören körperliche Gewalt, wie Schläge, Tritte oder Würgen, sexualisierte Gewalt, wie erzwungener Geschlechtsverkehr oder sexuelle Belästigung, finanzielle Gewalt, wie die Kontrolle über das Geld oder die Verhinderung von finanzieller Unabhängigkeit, und psychische Gewalt, wie Manipulation, Gaslighting oder Stalking, sowie Demütigungen, Drohungen oder Isolation. Häusliche Gewalt bezeichnet alle Arten von Gewalt, die zwischen Menschen, die in einer partnerschaftlichen Beziehung sind oder waren, stattfindet. Es spielt keine Rolle, ob man in einem Haushalt zusammenlebt, der Begriff fokussiert auf den privaten Raum. Es kann sich um einen einmaligen Übergriff oder andauernde Gewalt handeln.
Gewalt im digitalen Raum ist ein verbreitetes Phänomen und eng mit analoger Gewalt verbunden. Das bedeutet, dass reale Gewalt im digitalen Raum fortgesetzt wird, beispielsweise bei Häuslicher Gewalt. Dazu gehören u.a. Diffamierung, Belästigung, Nötigung, Diskriminierung über Social Media, Messenger Dienste und Foren. Auch hier ist das Ziel einen Menschen physisch und/oder psychisch zu schädigen.
Körperliche Gewalt fängt da an, wo absichtlich jemand verletzt wird. Es gibt auch Grenzverletzungen, die unabsichtlich passieren. Manchmal ist es für Gewaltbetroffene sehr schwer zu unterscheiden, ob der einzelne Vorfall ein Übergriff, also Gewalt, oder eine unabsichtliche Grenzverletzung war. Hier kann es hilfreich sein, in einem Gespräch mit einer außenstehenden Person zu überprüfen, wie etwas abgelaufen ist, ob solche Situationen häufiger mit einer anderen Person vorkommen und wie der Kontext war. Z.B. Boxen, Schubsen, Mundzuhalten, an die Wand drücken sind als Gewalt zu beschreiben.
Ebenso sind Übergänge in Beziehungen zwischen häufigem fiesem Streit und psychischer Gewalt fließend. Auch hier gibt es unabsichtliche Grenzverletzungen und intendierte Verletzungen. Psychische Gewalt zielt auf systematische Abwertung, Lächerlichmachen, Bloßstellen und Schädigung. Die Fragen sind auch hier: Was genau ist passiert? Wie oft kommt das vor? Wie sind die Situationen? Wie ist der Kontext? Ist es eine Beziehungsdynamik, bei eher gleichberechtigten Partnern, die beide schädigt, oder wird eine Person deutlich von der anderen, die in einer viel stärkeren Position ist, verletzt? Auch eine einzelne fiese Bemerkung kann gewaltvoll sein und eine Person schädigen.
Menschen, die Gewalt erfahren haben, stellen sehr oft ihre eigene Wahrnehmung in Frage. War das wirklich so? Habe ich mir das eingebildet? Manchmal versuchen sie Erklärungen zu finden, was sie falsch gemacht haben, um zu verhindern, dass es nochmal passiert.
Psychische Gewalt kann krank machen. Häufige Folgen sind zum Beispiel Schlaflosigkeit, Essstörungen, Schmerzen, Angsterkrankungen, Traumafolgestörungen und chronische Erkrankungen. Viele Gewaltbetroffene haben ein stark beeinträchtigtes Selbstwertgefühl, fühlen sich einsam und beschämt, leben in ständiger Furcht und/ oder ziehen sich immer weiter zurück. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität, das Sicherheitsempfinden und die Gesundheit sind oft enorm.
Dich jemandem anvertrauen, um dir Unterstützung zu holen. Falls die Scham sehr groß ist, kann ein erster anonymer Anruf beim Hilfetelefon bei Gewalt hilfreich sein. Beratungsstellen sind auch ein guter erster Ansprechpartner, um Phänomene einordnen zu können, Informationen über Abläufe und Rechte zu erhalten, sowie Zeit und Raum zur Orientierung zu bekommen.
Es kann auch hilfreich sein mit Freunden oder Familie sprechen und um Unterstützung fragen. Zugleich ist es wichtig, sehr deutlich zu benennen, was genau man braucht und was nicht, damit nicht noch weitere Grenzen verletzt werden. Angehörige neigen manchmal dazu, gleich zur Polizei gehen zu wollen oder die gewaltausübende Person konfrontieren zu wollen, um der Situation ein schnelles Ende zu setzen. Das kann aber manchmal das Risiko für mehr Gewalt erhöhen oder noch weiteren Schaden verursachen.
Bei einer akuten, starken Täter-Opfer-Dynamik hilft Paartherapie eher nicht, da ist zunächst eine parteiliche Beratung für die gewaltbetroffene Person wichtig, um weitere Schädigung zu reduzieren und den Schutz zu erhöhen. Für die Paartherapie ist Gewalt in Beziehung ist ein heikles Thema, mit dem man sich nur an eine*n Berater*in wenden sollte, der/die sich damit auskennt. Denn sonst besteht die Gefahr, dass die Paartherapie das "Gewaltsystem" stabilisiert, statt mit dazu beizutragen, dass keine Gewalt mehr stattfindet. Gewaltberatung wird immer auch Einzelsitzungen beinhalten, um die eigenen Möglichkeiten in der Paardynamik zu erweitern und eigenen Themen in geschütztem Raum nachgehen zu können.
Wenn beide mit z.B. immer wieder eskalierenden Konflikten zu tun haben, dann kann Paartherapie hilfreich sein, um eigene Anteile an der Dynamik erkennen zu können und alternative Handlungen zu entwickeln, die weniger schädlich sind. Hier zielt Paartherapie u.a. auf verbesserte Kommunikation von Bedürfnissen, um die Konfliktdynamik zu reduzieren.
Paartherapie ist immer dann sinnvoll, wenn bei beiden Partner*innen Einsicht vorhanden ist, dass die bestehende Gewalt in der Beziehung grundsätzlich schädlich ist, es kein allzu großes Machtungleichgewicht besteht und Bereitschaft da ist, daran etwas zu ändern. Zudem ist eine besonders klare Haltung der beratenden Person erforderlich, damit es nicht im Rahmen der Beratung zur weiteren Schädigung einer Person kommt.
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