Arbeitsweise Hamburger Modell
Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der nach dem Hamburger Modell arbeitet... Das Hamburger Modell wird in der psychologischen Ausbildung leider nur noch bei Psychologischen Psychotherapeut*innen gelehrt und kommt in der Ausbildung von psychosozialen Berater*innen kaum noch vor.
In unserem Team bei besser:lieben sind keine Expert*innen, die explizit nach dem Hamburger Modell ausgebildet sind, jedoch einige, die mit der Methode des "Sensate Focus" arbeiten. Schreibt sie gerne an!
Hier geht es zu den Expert*innen, die mit dieser Arbeitsweise arbeiten ...

Fragen und Antworten
Was ist das Hamburger Modell?
Das Hamburger Modell wurde von den deutschen Sexualtherapeuten Uwe Hartmann und Volkmar Sigusch entwickelt und erstmals in Hamburg praktiziert, wodurch es seinen Namen erhielt.
Die Methode richtet sich an Paare, die sich in ihrer gemeinsamen Sexualität weiterentwickeln möchten. Es finden vornehmlich Paarsitzungen statt, einige Einzelsitzungen. Durchgeführt wird das Hamburger Modell von zwei ausgebildeten Berater*innen.
Der Beratungsprozess umfasst Gespräche und Übungen, um die Kommunikation zwischen den Partner*innen zu verbessern, Missverständnisse zu klären und Vertrauen wiederherzustellen. Das Modell berücksichtigt dabei die verschiedenen Aspekte der sexuellen Gesundheit und Beziehungen, einschließlich emotionaler Verbindungen, körperlicher Erregung, Kommunikation und psychologischer Faktoren, es versteht sich als ganzheitlichen Ansatz.
Das Offenlegen von Wünschen, Ängsten und Erwartungen bezüglich der sexuellen Beziehung ist zentrales Element. Das Hamburger Modell umfasst oft auch sexuelle Aufklärung und Bildung, um falsche Vorstellungen über Sexualität zu korrigieren und realistische Erwartungen zu fördern.
Praktische Übungen werden dem Paar als "Hausaufgabe" mit nach Hause gegeben und sind zentrales Element des Hamburger Modells.
Wie läuft eine Beratung nach dem Hamburger Modell ab?
Wenn keine Trennungsabsicht und die Bereitschaft zu einer gemeinsamen Sexualtherapie vorliegen, beginnt mit dem Hamburger Modell ein klar strukturiertes Paar-Therapie-Konzept: In einem ersten Schritt werden in anamnetischen Einzelgesprächen die Kontexte für das sexuelle Problem beleuchtet und die Zusammenhänge in einem Paargespräch gemeinsam erörtert.
Im zweiten Schritt werden die Paare dann im Therapieprozess immer wieder konkret zu körperorientierten Übungen, sogenannten Sensate-Focus-Übungen angeleitet. Die einzelnen Übungen haben klare Regeln, die helfen, Grenzen zu setzen, aufkommende Ängste abzubauen, Erwartungen klar zu verhandeln und den Zugang zu einem positiven körperlichen Erleben (wieder) möglich zu machen. Diese Übungen finden zuhause statt und die Erfahrungen des Paares werden detailliert in den Sitzungen besprochen.
Wofür ist das Hamburger Modell besonders gut geeignet?
Die Wirksamkeit des Hamburger Modells ist besonders gut für Funktionsstörungen und sonstige sexuelle Störungen erforscht, das betrifft zum Beispiel Orgasmusstörungen, Erregungsstörungen und Erektionsstörungen. Der strukturierte Ablauf und die langsame Weiterentwicklung der Comfort-Zonen beider Partner*innen, die enge Begleitung und die therapeutische Beziehung als Basis werden in der Sexualforschung als besonders wirksam ausgewiesen. Dadurch erzielt die Therapie gute Ergebnisse bei Störungen.
In der Sexualforschung ist zusätzlich eine Wirksamkeit des Hamburger Modells bei Traumafolgen belegt. Die sanfte Annäherung an körperliche Erfahrungen bietet Partner*innen mit Traumabelastungen die Möglichkeit, ihre Intimität in sicheren Grenzen (wieder) zu entwickeln.
Was sind "Sensate Focus" - Übungen?
"Sensate Focus" ist eine Technik, die ursprünglich von den Sexualtherapeut*innen William Masters und Virginia Johnson entwickelt und später ins Hamburger Modell übernommen und weiterentwickelt wurde.
Die Sensate-Focus-Technik zielt darauf ab, das sexuelle Vergnügen zu steigern, die Intimität zu fördern und eventuelle Leistungsängste zu reduzieren. In diesem ersten Schritt wird dem Paar geraten, jegliche sexuellen Handlungen zu vermeiden, sowohl Paar- als auch Solosex. Dieser Verzicht kann für einen begrenzten Zeitraum gelten, normalerweise einige Wochen.
Das Paar wird stattdessen ermutigt, sich auf nonverbale, sinnliche Aktivitäten zu konzentrieren, bei denen die Berührung im Vordergrund steht. Dies kann sinnliche Massagen, streicheln, küssen oder einfach nur das gegenseitige Erkunden des Körpers ohne das Ziel des Orgasmus beinhalten. Die Partner*innen werden ermutigt, sich gegenseitig Feedback zu geben und darüber zu sprechen, was ihnen gefällt, was angenehm ist und was sie genießen. Dies fördert eine bessere Verbindung und ein tieferes Verständnis der eigenen körperlichen Bedürfnisse und denen des anderen.
Nachdem das Paar so eine verbesserte Fähigkeit zur sinnlichen Wahrnehmung entwickelt hat und die Kommunikation gestärkt wurde, werden nach und nach sexuelle Aktivitäten wieder eingeführt. Der Fokus liegt weiterhin auf der sinnlichen Erfahrung und dem Genuss, anstatt auf der Leistung.
Sensate Focus ist eine sanfte und schrittweise Methode, die dazu beitragen kann, sexuelle Ängste oder Blockaden abzubauen, die Intimität zu fördern und das sexuelle Vergnügen zu steigern.
Was genau passiert in den drei Phasen der "Sensate-Focus" Übungen?
Die Übungen laufen in drei Phasen ab:
In den ersten beiden Phasen des Hamburger Modells ist penetrativer Sex ausdrücklich untersagt.
- In der ersten Phase geht es um nicht-genitale Berührungen. Es geht darum, im Genuß der Berührungen zu schwelgen, unabhängig von sexueller Erregung oder dem Nachjagen eines Orgasmus.
- In der zweiten Phase werden die Intimbereiche in die Berührungen einbezogen, allerdings immernoch, ohne Erregung und Orgasmus oder penetrativen Sex zu forcieren. Im Mittelpunkt steht die sexuelle Genußfähigkeit.
Geübt werden soll dadurch eine entspannte und genussorientierte Sexualität anstelle einer leistungs- und orgasmusorientierten Performance. - Wenn dies zur "Gewohnheit" geworden ist, wird in der dritten Phase auch penetrativer Sex "erlaubt".
Was ist die Veto-Regel im Hamburger Modell?
Zu Beginn des Beratungsprozesses wird die Veto-Regel eingeführt, die besagt, das jede beteiligte Person das Recht hat (auch ohne Begründung) eine sexuelle Aktivität abzubrechen, und die andere Person sich unbedingt und ohne Ausnahme daran hält. Das Aussprechen des Vetos darf keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen. Dies schafft ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle für beide Seiten. Niemand muss etwas "aushalten", und niemand wird ungewollt zum "Übeltäter". Das Veto-Prinzip ist damit auch aktiver Ausdruck gegenseitigen Respekts aller Beteiligten. Es fördert die Selbstverantwortung der beteiligten Partner*innen.
Was ist die Ego-Regel im Hamburger Modell?
Die Ego-Regel fordert, dass alle Beteiligten beim Sex ausschließlich auf die eigenen Bedürfnisse und Empfindungen achten und nicht mutmaßen, wie es der anderen Person geht, oder was sie vielleicht noch erwartet. Ziel sind die Förderung von sexuellem Selbstbewusstsein, der Selbstverantwortung und achtsamer Wahrnehmung des eigenen Empfindens. Auch hebelt das Ego-Prinzip jeden Erwartungsdruck aus, da man dadurch gegen das Prinzip selbst verstoßen würde. Ziel ist, es die eigenen sexuellen Bedürfnisse und Wünsche wahrzunehmen und angstfrei zu kommunizieren.
Wirkt das Hamburger Modell auch bei Lustlosigkeit?
Neue Ansätze der Sexualtherapie, etwa die Systemische Sexualtherapie nach Ulrich Clement, sehen das Hamburger Modell kritisch im Blick auf die Behandlung von Lustlosigkeit in einer Paarbeziehung. Denn diese neueren Ansätze arbeiten auf der Grundlage, dass Partner*innen die Lustlosigkeit in ihrer Beziehung als Teil ihrer jeweils eigenen Dynamik erschaffen bzw. erhalten, sie eine logische Konsequenz des Verhaltens beider Personen und deswegen kein Defizit einer der beiden Personen ist. In den neueren Ausrichtungen der Sexualtherapie geht es demnach eher um einen Fokus auf dem "Wollen" der Partner*innen, statt auf dem "Können", also den Funktionen und ihren möglichen Störungen. "Eine Sexualtherapie als Paartherapie des Begehrens sieht im Zentrum die erotische Entwicklung, nicht die sexuelle Funktion der beiden Partner*innen." (Ulrich Clement, Systemische Sexualtherapie)
Beratungen Hamburger Modell
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